Solomon Burke - „Don’t give up on me“

Was haben Adelsdynastien und die Majestäten des Pop gemein? Bei Blaublütlern gilt: einmal König, immer König. Solomon Burke, trug den Titel des „King of Soul“ auch in den Zeiten mit Würde, als seine Karriere nur noch vor sich hin dümpelte.

Doch nach dem grandiosen Comeback mit der CD „Don’t give up on me“ glänzt der Stern des Hauses Burke heller denn je. Zumal der Altmeister gerade bei Konzerten um die Wirkung einer guten Inszenierung weiß. Gemeinhin schickt er erst mal seine Band vor – ausgebuffte alte Hasen in schwarzen Anzügen und weißen Hemden, die sich mit ein paar Soul-Heuler aufwärmen, bevor sich das Kommen Ihrer Majestät ankündigt. Während seinen besten Zeiten in den 60er-Jahren soll ein roter Teppich so obligatorisch gewesen sein wie eine Hermelin-Schleppe.

Was die Garderobe angeht, mag es Burke mittlerweile etwas dezenter. Ein glitzernder Umhang über dem Maßanzug tut’s. Nicht verzichten will er dagegen auf sein Zepter und den goldenen Thron. Der sieht mit all den Schnörkeln und dem Samtbezug einfach zu gut aus. Und ist zudem ungemein praktisch. Denn wie viele große Herrscher neigt auch Solomon Burke zu barocker Leibesfülle. Daher bevorzugt er es, seine Audienzen im Sitzen abzuhalten – es sei denn, er überreicht den Ladys in der ersten Reihe rote Rosen, die er vorher huldvoll küsst. Lässt er sich danach wieder auf seinen Thron fallen, tupft ihm ein Adjutant mit dem Taschentuch den Nacken trocken – es hat schon seine Vorteile, König zu sein.

Er hat sich seine Ausnahmestellung auch redlich verdient. Burkes Klassiker wie „Cry to me“ oder „Everybody needs somebody to love“ inspirierten Anfang der Sixties schon die Rolling Stones. Die handverlesenen Stücke des Ausnahme-Albums „Don’t give up on me“ sind die Krönung seines Spätwerks. Für diese, im Januar 2003 erschienene Platte waren die Besten gerade gut genug: Bob Dylan, Van Morrison, Elvis Costello, Tom Waits und Brian Wilson steuerten Songs bei, die Burke mit der Hilfe des Produzenten Joe Henry zu seinen eigenen machte. Henry sagt über die Sessions mit dem King. „He’s the man“, mit ihm zu arbeiten war wie mit einem Löwen im selben Käfig zu stehen.“

 Nachdem sich die beiden aneinander gewöhnt hatten, hatte der Dompteur freie Hand, Burke dabei „zu helfen, eine Platte zu machen wie er sie noch nie gemacht hat.“ Angestachelt vom erlesenen Kreis der Komponisten lief Burke zur Bestform auf. „Er hat nichts zurück gehalten und sich gefühlsmäßig vollkommen entblößt“, sagt Henry. „Erst dachte ich: Das ist, weil er mir wirklich vertraut. Dann merkte ich: Solomon vertraut vor allem Solomon. Er weiß, dass seine Stimme alles raus reißt, auch wenn er nicht an ganz an das glaubt, was er gerade tut.“

Das Ergebnis ist hingebungsvoller Blues und inbrünstiger Soul, der auch deshalb so tief geht, weil Burke so beseelt singt wie er predigt. Schließlich steht er als Bischoff des „House of god for all people“ über 150 Gemeinden mit 40.000 Gläubigen vor. Aber auch sonst hat der Mann gut zu tun: Da gibt es ein Bestattungsunternehmen, das geführt werden will – und eine Sippschaft, die nach ihrem Recht verlangt. 21 Kinder, über 60 Enkel und acht Urenkel schauen zu Burke auf. Musik, Religion, Familie – der Mann ist einfach der geborene Regent.

© Peter Disch