Jörn Lande – der Workaholic aus Norwegen
… hat innerhalb knapp zweier Jahre zwei CDs mit THE ARK und je eine mit MILLENIUM und Solo veröffentlicht.
Nach der leicht missglückten MALMSTEEN-Tour und seiner Mitwirkung an NIKOLO KOTZEVs “Nostradamus” erscheint nun sein neuester Solostreich “Worldchanger”, der stilistisch etwa in der Mitte seiner anderen Betätigungsfelder liegt. Glücklicherweise gelang es uns, ein paar Minuten seiner kostbaren Zeit zu stehlen und ihm ein paar Fragen zu stellen:
CP: Jörn, erzähle uns bitte, wie ein Junge aus Norwegen zu einem der meistbeschäftigten Rocksänger Europas wurde!
Jörn: Nun, ich weiss auch nicht. Ich bin in einer musikalischen Familie aufgewachsen. Mein Vater liebte die Musik und brachte immer Platten mit nach Hause. Meine ersten Helden waren Brian Connelly von SWEET und Paul Rodgers, als er bei FREE war. Alles begann, als ich mit fünf Jahren “Ballroom Blitz” hörte und versuchte, Brian zu imitieren.
Norwegen ist ein kleines Land und sehr auf Einflüsse aus den USA fixiert, mehr als auf Dinge, die aus Norwegen selbst kommen. Es war ein harter Weg und mit vielen negativen Erfahrungen mit Plattenfirmen verbunden. Aber ich hatte immer den Traum, meine Musik zu machen. Es waren sehr viele Opfer nötig, dorthin zu kommen, wo ich heute bin; und auch sehr viel Zeit, Zeit, die jemand anderes vielleicht mit seinen Kindern verbringen würde.
CP: Du bist gerade zurück von einer Tour mit THE ARK. Wie ist es gelaufen?
Jörn: Die Tour war eine sehr gute Erfahrung. Vor allem in Frankreich, Deutschland, Österreich und die Niederlande waren toll. Tschechien war o.k. und in Belgien lief’s nicht ganz, wie wir es uns gewünscht hatten. Aber alles in allem war es prima und nun wollen sie, dass wir wiederkommen - was in der Tat ein gutes Zeichen ist!
CP: Du bist Mitglied bei THE ARK und MILLENIUM und hast mit “Worldchanger” gerade dein zweites Soloalbum innerhalb von etwas mehr als einem Jahr veröffentlicht. Wie bekommst du das alles unter einen Hut?
Jörn: Ja, ich arbeite hart. Aber ich kann einfach nicht in einer Bar herumhängen, einen Capuccino trinken und nichts tun. Ich meine, ich könnte schon, aber ich würde selbst diese Zeit nützen, mich zu konzentrieren und zu schreiben. Ich gehe auch nicht sehr viel mit Freunden aus, sondern konzentriere mich hauptsächlich auf die Arbeit. Wie es in der Zukunft weitergeht weiss ich noch nicht, aber meine Absicht ist, mich auf einige Projekte zu beschränken.
CP: Deine erste Solo-CD “Starfire” war eine Mischung aus je fünf Covers und Originalen. Die Stücke waren allerdings alle eher im Melodic Rock verwurzelt. Das neue Album ist deutlich härter ausgefallen und du hast alle Songs selbst geschrieben. Warum dieser Wechsel – oder ist es einfach eine natürliche Entwicklung?
Jörn: Das Konzept hinter dem ersten Album war, mich den Leuten vorzustellen. Journalisten fragten mich, wer ich war und wer mich beeinflusst hatte. Also habe ich ein Album gemacht, das diese Fragen klar beantwortete. Zum Beispiel wählte ich “Burn”, um den offensichtlichen Coverdale-Einfluss zu zeigen. Allerdings wollte ich keinen WHITESNAKE-Song covern, da ich das ja schon mit THE SNAKES getan hatte. CITY BOYs “The Day The Earth Caught Fire” nahm ich, weil ich an einigen Rock Opern beteiligt war und auch etwas von dieser Seite zeigen wollte. Analoges gilt für die JOURNEY und FOREIGNER Stücke. Ich wurde massgeblich von Steve Perry und Lou Gramm beeinflusst, und natürlich auch von vielen anderen AOR Künstlern. Aber ich wollte auch andere Einflüsse wie DIO oder BLACK SABBATH zeigen, was ich mit den selbstgeschriebenen Stücken tat. “Starfire” ist ein wenig wie: das habe ich bisher gemacht und dorthin werde gehen. Ich denke, nun muss ich niemandem mehr erklären, wer ich bin. Zukünftig werde ich auch keine Covers mehr machen, ausser wenn ich das Gefühl habe, wirklich zu müssen.
CP: Wie und warum hast du Tore Moren, Sid Ringsby und Hellhammer als Mitmusiker für “Worldchanger” ausgesucht?
Jörn: Ich suchte schon immer nach dem richtigen musikalischen Ausdruck, den ich von Mitmusikern haben möchte – und ich arbeitete schon mit vielen Musikern zusammen. Zum ersten Mal in meiner Karriere war ich bei dem Song “Abyss Of Evil”, den ich für “Starfire” aufnahm, damit voll zufrieden. Das Lineup des neuen Album ist, mit Ausnahme des Schlagzeugers, das selbe wie auf diesem Song. Ich habe Hellhammer ausgesucht, weil er der Drummer von MAYHEM ist und ich wollte, dass er die Härte seines Black Metal Stils einbringt. Nun haben wir die perfekte Chemie und ich denke, dass ich mit den selben Musikern auch meine Konzerte bestreiten werde.
CP: Wird es eine “Worldchanger”-Tour geben? Falls ja, wirst du auch Songs deiner anderen Bands spielen?
Jörn: Ja und um ehrlich zu sein glaube ich nicht, dass ich MILLENIUM oder ARK Songs spielen werde. Ich glaube nicht, dass sie wirklich ins JÖRN-Konzept passen und ich werde defintiv die Solosongs in den Mittelpunkt stellen. Wenn ich einen Song einer anderen Band oder eines anderen Projekts auswählen müsste, dann wäre es wohl von BEYOND TWILIGHT. Ich finde, dass ein Song wie “Hellfire” sehr gut zu “Tungur Knivur” oder anderen neuen Stücken passen würde.
CP: Deine Tour mit YNGWIE MALMSTEEN im letzten Winter nahm ein überraschendes und unglückliches Ende. Ist dieser Fall für dich abgeschlossen? Wirst du nochmals mit YNGWIE arbeiten?
Jörn: Ich sehe diese Möglichkeit nicht, ausser wenn etwas seinen Kopf träfe und er mich wieder anrufen würde! Er hat Sachen zu mir gesagt, die meine Wahrnehmung von ihm geändert haben. Ich dachte, dass wir in der selben Welt aufgewachsen wären und gemeinsam etwas machen könnten. Aber die Wahrheit ist, dass er in seiner eigenen Welt lebt, die sich von meiner unterscheidet. Ich wollte vernünftig bleiben und die Probleme lösen, aber alles lief ab wie in einer Seifenoper.
CP: Mit welcher Band oder welchem Projekt wirst du als nächstes aufnehmen?
Jörn: Ich habe für die nächsten Monate keine festen Pläne. Das ARK Album wird im Februar in den USA über Steve Vais Label veröffentlicht werden und wir werden für die Promotion eventuell hinfliegen müssen. Ausserdem bin ich gerade in Norwegen auf Tour und werde mein bestes tun, um eine Europatour auf die Beine zu stellen.
CP: Gibt es noch etwas, das du unsere Leser wissen lassen möchtest?
Jörn: Die Welt ist im Moment kein besonders guter Platz. Ich hoffe, dass ehrliche Musik wie Hardrock den Hörern die richtigen Messages gibt und als Gegenpol zur Dekadenz der Popmusik auf den Markt zurückkommt. Ich hoffe, dass die Welt besser wird, wenn die Leute sich mit gutem Hardrock identifizieren können.
CP: Vielen Dank!
Website: www.jornlande.com
Discographie Solo:
“Starfire” (2000)
“Worldchanger” (2001)
Discographie Bands:
“Vagabond” (1994, mit VAGABOND)
“A Huge Fan Of Life” (1996, mit VAGABOND)
“Live In Europe” (1998, mit THE SNAKES)
“Once Bitten …” (1998 mit THE SNAKES)
“The Spectral Spheres Coronation” (1998, mit MUNDANUS IMPERIUM)
“Hourglass” (2000, mit MILLENIUM)
“Ark” (2000, mit THE ARK)
“The Devil’s Hall Of Fame” (2001 mit BEYOND TWLIGHT)
“Burn The Sun” (2001 mit THE ARK)
©Christoph Pöschl