ERFOLG... - SONST NICHTS???
Dies ist ein Artikel von Heiko Münster, seines Zeichens Songwriter und Sänger der Band "The Murderous Mistake". Heiko gibt hier Einblick in einen Bereich des Musikbusiness, der den meisten Musikliebhabern normalerweise verschlossen bleibt. Unzählige junge Bands und Musiker haben diese Erfahrungen jedoch so, oder so ähnlich schon gemacht!
Bei all dem Medienrummel der um die gecasteten Super-Helden der großen privaten - und zuletzt auch öffentlich rechtlichen Sendanstalten veranstaltet wird, könnte man fast vergessen, dass die Wirklichkeit für den einzelnen Musiker oder die Band von der Strasse oftmals etwas anders aussieht.
Diese Erfahrung konnte ich mit unserer Wave-Rockband „The Murderous Mistake“ machen, nachdem wir den Entschluss gefasst hatten, eine CD in Eigenregie aufzunehmen und an diverse Plattenfirmen und Musikproduzenten zu schicken.
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Wir ließen uns circa ein halbes Jahr Zeit, um unsere selbst komponierten Songs für das geplante Album zu arrangieren, Texte zu überarbeiten, aufzunehmen und abzumischen. Dazu kam später noch die Aufgabe, das Layout für das CD-Cover zu entwerfen und das Ganze in die druckfertige Version zu bringen. So weit, so gut – nach einem Jahr harter und nervenaufreibender Arbeit lieferte das Presswerk eine ganze Palette mit den schwer erarbeiteten Silberscheiben.
Wir dachten zunächst, dass der Großteil der Arbeit mit der CD-Produktion getan sei, und die spätere „Bemusterungsaktion“ eher nebenbei abgewickelt werden würde. Doch wir durften schnell dazulernen! Denn jetzt fing die Arbeit erst richtig an!
Wir stellten eine Bandmappe zusammen, in der die einzelnen Bandmitglieder und die Ziele der Band vorgestellt wurden. Das „professionelle Bandfoto“ wurde ebenfalls in tagelanger „Du stellst dich nach hinten – und du nach vorne, Licht von oben – Licht von unten“ Manier erarbeitet. Dazu noch einige Auszüge aus Zeitungsberichten über uns, die CD dazugelegt – und fertig! Die Mappe war uns wohl richtig gut gelungen, denn in den kommenden Wochen erhielten wir im Feedback immer wieder Lob für die professionelle Präsentation.
Der nächste Schritt war natürlich Adressen von Plattenlabels, Musikproduzenten, Veranstaltern usw. zu recherchieren. Jetzt begann die eigentliche Arbeit. Stundenlange Internet-Sessions, reichlich Telefonate, Mailanfragen, Terminvereinbarungen machten uns schmerzlich bewusst, dass der Weg nach oben doch etwas steiniger und länger war, als wir dachten. Zu diesem Zeitpunkt waren wir leider noch kein Mitglied im DRMV, denn im Musiker-Jahrbuch, das Neumitglieder automatisch erhalten, sind bereits die wichtigsten Labels, Produzenten und Veranstalter mit kompletter Adresse aufgeführt! Also, nicht zur Strafe sondern nur zur Übung... ( Wenn ich das früher gewusst hätte, wären mir wahrscheinlich einige graue Haare erspart geblieben, aber was soll´s...)
Zunächst versandten wir 100 Mappen und die ersten Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Absagen, Absagen, Absagen... Die großen Majorlabels sandten immer die gleichen nichtssagenden „Standardbriefe“ und auch wenn die zurückgeschickten Mappen reichlich bearbeitet aussahen (keine der Mappen konnte mehrmals verwendet werden, sondern wanderten stets in den Mülleimer) waren doch in keinem der Antwortbriefe irgendwelche Hinweise darauf zu finden, was an unserer Musik gut oder auch schlecht ist, woran man arbeiten könnte, was total schlecht ist, - keine Tipps keine Ratschläge, einfach nichts.
Trotzdem gab es auch kleine Erfolgserlebnisse zu verzeichnen. So liefen unsere Songs in regionalen kleinen Radiostationen in ganz Deutschland, im Internet erschienen Reviews unserer CD in grossen Musikmagazinen, und hier und da meldeten sich kleine Labels und vereinzelt auch Musikproduzenten.
Wahrscheinlich hatten wir aber in dieser Phase das Pech, ausschließlich auf die Haifische der Musikbranche zu stoßen, denn das was dort „angeboten“ wurde erinnerte eher an die Sklavenhaltung im letzten Jahrhundert:
Da wurden dann Vorschläge von Produzenten gemacht, unsere Rockband (die schon seit 10 Jahren existiert) faktisch aufzulösen und einzelne Mitglieder „rauszuschmeißen“, natürlich immer
darauf achtend, den Songwriter und Sänger (mich) nicht zu verärgern. Dieser sollte ja im Hintergrund bleiben und weiter für Songs sorgen, während das Management dafür sorgt, eine Lead-Sängerin im zarten Alter von 16 Jahren zu implantieren, die dann die geplante Zielgruppe der 16 – 18 jährigen im „Popbereich“ ohnehin besser ansprechen würde.
Mein Einwand, dass wir eigentlich keine Pop-Band wären und auch nicht vorhätten, unsere Band aufzulösen stieß eher auf taube und verständnisslose Ohren. „Man müsse eben Opfer bringen, wenn man nach oben wolle“, so ähnlich lauteten die Sätze, die gebetsmühlenhaft wiederholt wurden. Ich denke, ich werde den erstaunten Gesichtsausdruck meines Gegenübers nicht vergessen, als ich aufstand und ihm viel Erfolg mit seiner Sängerin wünschte, - aber eben ohne uns.
Andere Produzenten präsentierten uns Verträge, in denen gewaltige Provisionen zu zahlen gewesen wären, extrem lange Bindungen vereinbart wurden, und wir im Endeffekt noch Geld hätten drauflegen dürfen. „Man muss eben Opfer bringen“... – irgendwann konnten wir diesen Satz nicht mehr hören, denn bei all diesen Verhandlungen blieb die eigentliche Hauptsache im Hintergrund: der Spaß an der Musik!
Aus diesem Grunde haben wir uns entschlossen, keinen der Verträge zu unterschreiben und wieder mehr Zeit mit der Musik, als mit dem Bemustern von Plattenlabels zu verbringen. Der Lerneffekt bei der ganzen Aktion war eben auf dem Teppich zu bleiben und nicht zu große Hoffnungen auf den schnellen Erfolg zu hegen, sondern weiter an uns zu arbeiten und so Schritt für Schritt besser und professioneller werden zu können.
Trotzdem werden wir auch unsere neue CD, die sich gerade in der Planungsphase befindet in der gleichen Art und Weise verschicken und bemustern, denn immerhin konnten auch viele kleine Erfolge erzielt werden, die den Zeitaufwand insgesamt wert waren.
Wenn also im Fernsehen der nächste „Superstar“ gekürt wird, werde ich mich entspannt zurücklehnen, und mich daran erinnern, dass es nicht das wichtigste im Leben eines Musikers ist, um jeden Preis im Rampenlicht der Öffentlichkeit zu stehen (und nächstes Jahr vielleicht schon wieder vergessen zu sein...), sondern Spaß zu haben an dem was wir alle so lieben: der Musik!
Dieser Bericht wurde uns mit freundlicher Genehmigung von Heiko Münster, Sänger und Komponist bei der Band "The Murderous Mistake", zur Verfügung gestellt!
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