Glen Burtnik – wieder Solo in „Hollywood“
In den letzten Jahren war der Multiinstrumentalist aus New Jersey als Bassist und Sänger des „Wirtschaftsunternehmens“ STYX ziemlich beschäftigt. Nach seinem Ausstieg bei STYX verging nicht allzuviel Zeit, bis er uns jetzt mit seiner neuen Solo CD „Welcome To Hollywood“ erfreute. Das war eine gute Gelegenheit, mal bei ihm zu Hause anzuklingeln und den Stand der Dinge abzufragen.
CP: Lass uns gleich mal über dein neues Album „Welcome To Hollywood“ sprechen. Ich finde, dass auf dem Album ein recht breites musikalisches Spektrum abgedeckt wird.
Glen: Ja, genau, das war auch meine Absicht. Als Kind habe ich bei uns zu Hause oft Sachen der BEATLES aus der „Sgt. Pepper’s“-Phase oder auch JIMI HENDRIX gehört. Das war für damals ziemlich experimentelles Zeug mit sehr breitem Spektrum und das hat mich einfach bis heute stark beeinflusst. Mir ist schon klar, dass das Publikum manchmal einfachere Strukturen und Alben mit Songs, die sich nicht sehr voneinander unterscheiden, bevorzugt. Andererseits glaube ich, dass mein Publikum mich versteht. Ich mache Musik für Leute, die die Musik als solche lieben und nicht in Schubladen denken. Und abwechslungsreiche Alben bleiben auch spannend, wohingegen zu einförmige Sachen bald langweilg werden, finde ich.
Interview: 2005
CP: Deine Texte drehen sich oft um ganz normale Alltagsgeschichten mit ganz normalen Leuten. Woher nimmst du deine Ideen für diese Geschichten?
Glen: Ich mag Texte, die in einer Sprache geschrieben sind, wie sich auch der normale Mensch auf der Strasse spricht. Klar haben auch poetische Sachen ihren Reiz, aber ich möchte, dass sich meine Hörer mit den Geschichten identifizieren können.
CP: Was mir auch sehr gut gefällt, ist das Bild auf dem Booklet von „Welcome To Hollywood“. Ist das eine Nahaufnahme eines der Buchstaben dieses Hollywood-Schriftzuges, der auf diesem Hügel steht. Und wenn ja, willst uns mit diesem ziemlich verrotteten Bauwerk etwas sagen?
Glen: Ja, das ist die Nahaufnahme eines dieser Buchstaben. Ich glaube, das Bild wurde etwa 1987 aufgenommen und es hat mich gleich fasziniert, als ich es gesehen habe. Natürlich beinhaltet es eine Message. Dieser ganze Glamour, dieser Maskenball von Hollywood und im Endeffekt der ganzen amerikanischen Mainstream-Unterhaltungsbranche ist nämlich gar nicht mehr so toll, wenn man nur ein wenig genauer hinsieht. Dann beginnt die Fassade ziemlich schnell zu bröckeln. Ich mag dieses Bild und fand, dass es ein gutes Coverfoto mit guter Message ist ... und es ist wahrscheinlich interessanter als ein Foto von mir, haha!
CP: Dem Album wird auch eine DVD beiliegen, habe ich gehört. Was erwartet uns denn da?
Glen: Auf der DVD werden Videos zu acht Songs des Albums zu sehen sein. Ich habe Freunde gefragt und auch mir selbst überlegt, welche Art Tonträger ich gerne kaufe. Da kam dann öfter das Thema Musik-DVD, also Verbindung von Ton und Bild ins Gespräch. Meine neue Plattenfirma Atenzia hat mir angeboten, eine limitierte Auflage mit DVD zu machen. Deswegen habe ich acht befreundeten Künstlern jeweils einen Song gegeben. Jeder sollte ein Video zu einem Stück machen. Einige der Clips wurden eher traditionelle Rockvideos, andere sind wiederum sehr experimentell. Auf jeden Fall ist es eine sehr schöne Sache geworden.
CP: Ich habe irgendwo gelesen, dass dir von deinen Alben „Palookaville“ persönlich am besten gefällt. Hat sich das mit dem neuen Album geändert?
Glen: Oh, das ist schwierig. Ja, ich glaube schon, dass ich mit „Welcome To Hollywood“ zufriedener bin, einfach aus dem Grund, dass wir diesmal viel mehr Wert auf eine gute Produktion gelegt haben. Bei „Palookaville“ wollte ich nur meine Songs aufnehmen, diesmal haben wir viel Arbeit in einen richtig guten Sound gesteckt.
CP: Du schreibst auch oft Songs für andere Künstler und hattest damit sogar schon Nummer 1 Hits, z.B. mit dem PATTY SMYTHE/ DON HENLEY-Duett „Sometimes Love Just Ain’t Enough“. Wie fühlt es sich an, im Radio einen deiner Songs von einem anderen Künstler interpretiert zu hören?
Glen: Zuerst fühle ich mich natürlich geehrt und glücklich, dass Leute meine Songs so gut finden, dass sie sie selbst aufnehmen wollen. Und es ist natürlich sehr aufregend, einen deiner Songs im Radio zuhören. Andererseits ist es auch ein wenig schwierig, da man ja einen Grossteil der Kontrolle abgibt. Es kann passieren, dass Details eines Songs, die mir wichtig waren in den Interpretation einfach untergehen oder auch, dass der Künstler oder Produzent sie einfach nicht wichtig fand. Das kann dann auch hart sein.
CP: Nun noch ein ganz anderes Thema. Warum bist du denn bei STYX ausgestiegen? Ich habe euch auch live gesehen und fand, dass diese Besetzung wirklich super funktioiert hat.
Glen: STYX sind praktisch immer und fast ohne Pause irgendwo auf Tour. Ich habe aber ein Heim und eine Familie und fand es nicht so toll, kaum noch zu Hause zu sein und immer nur aus dem Koffer zu leben. Ich habe darüber mit den anderen gesprochen, aber ich war offensichtlich der einzige, den das gestört hat. Also war es einfach Zeit, die Band zu verlassen.
CP: Kommst du eigentlich mit dem neuen Album auf Tour nach Europa?
Glen: Ich hoffe es! Es gibt zwar noch keine konkreten Pläne, aber ich kann mir schon vorstellen, dass ich eine kleine Tour machen werde; allerdings wahrscheinlich zuerst alleine ohne Band machen, da das logistisch und auch finanziell einfach viel leichter zu realisieren ist. Aber wenn alles gut läuft ist nichts unmöglich.
CP: Noch eine letzte Frage zu deinen beiden Alben aus den Achtzigern „Talking In Code“ und „Heroes And Zeros“. Du weisst sicher auch, dass die beiden CDs schwer gesucht sind und z.B. bei Ebay Höchstpreise erzielen. Gibt es denn Pläne, diese beiden Scheiben wiederzuervöffentlichen?
Glen: Ja, ich habe schon mit einer Plattenfirma erste Gespräche gehabt. Die Idee war, eventuell beide auf eine CD zu packen. Andererseits hat z.B. BRAIN WILSON von den BEACH BOYS vor über 30 Jahren begonnen, ein Album namens „Smile“ aufzunehmen. Er hat die Aufnahmen dann mittendrin unterbrochen und das Album ist bis heute nicht veröffentlicht worden. In den ganzen Jahren gab es so viele Mythen und Geschichten um dieses Album, dass ich mir überlege, ob es für den GLEN BURTNIK Mythos nicht besser wäre, von einer Wiederveröffentlichung der beiden Scheiben abzusehen!
CP: Hahaha, ja , das könnte sein! Glen, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast!
Website: www.glenburtnik.com
Diskografie:
“Talking In Code” (1986)
“Heroes And Zeros” (1987)
“A Live Christmas Extravaganza” (1994)
“Palookaville” (1996)
“Retrospectacle” (1996)
“Welcome To Hollywood” (2004)
Dieses Interview wurde uns mit freundlicher Genehmigung von dem Musik-Journalisten Christoph Pöschl zur Verfügung gestellt!
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