Im Interview: Five Arms Red

"Was uns unheimlich wichtig ist, ist die Atmosphäre des Stücks. Da kann es schon passieren, dass wir eine Woche oder mehr nur daran arbeiten."

 

1999 gründeten Roger Bürke und Peter Bauer das Projekt „Five Arms Red“. Momentan arbeitet die Band am Feinschliff ihres neuen Albums „The man who lost his radio on the moon“. Gerade eben wurde die Vorab-Single "Melodies" veröffentlicht. Das Album soll im Herbst folgen.Diesen Anlass haben wir genutzt um mit den beiden Soundtüftlern und Vollblutmusikern zu sprechen.

Hallo Roger, hallo Peter! Erzählt unseren Lesern doch zuerst einmal ein wenig zu eurer Band „Five Arms Red“. Die Band an sich gibt es ja schon eine ganze Weile, wenn auch mit einigen Umbesetzungen?

Five Arms Red: Als wir Five Arms Red gründeten wollten wir damals ein Projekt haben bei dem wir unsere außergewöhnlichen Klangvorstellungen und Ideen verwirklichen konnten. Es sollte sehr viel Raum zum experimentieren sein, gleichzeitig wurde aber auch sehr viel Wert auf die Atmosphären der Stücke gelegt.

Da schien uns Trip Hop der geeignete Musikstil, wenngleich uns der Begriff heute etwas zu eng erscheint. Zu den Umbesetzungen, wie dies halt so ist im Leben. Mal geht es wegen Familie und Kindern nicht mehr, mal geht einer nach Afrika und wieder ein anderer meint sich als Schauspieler besser verwirklichen zu können…

Ihr kennt musikalisch nicht allzuviele Berührungsängste. Wenn man eurer Musik genau zuhört findet man neben den typischen TripHop-Elementen ebenso Passagen, die man sonst eher in härterem Crossover vermuten würde und dann wieder fast klassisch anmutende Melodien neben verfremdeten und elektronischen Soundcollagen. Was sind eure Einflüsse? Wo kommt ihr musikalisch her?

Five Arms Red: Unsere Einflüsse sind sehr vielschichtig. Ich (Peter) komme von der Klassik und der elektronischen Musik, Roger kommt mehr aus der Rockmusik. So reichen unsere Einflüsse von Zeitgenössischen Komponisten wie Wolfgang Rihm und Helmut Lachenmann über Pink Floyd, Gentle Giant , Kraftwerk bis Test Dept, Rage against the machine, Sisters of mercy und Aphex Twin, um nur einige zu nennen.

Ihr feilt ja, so scheint es zumindest, relativ lange an euren Alben. Wie sieht bei eurer Musik der kompositorische Prozess aus? Wie entstehen eure Songs?

Five Arms Red: Ganz unterschiedlich. Manchmal beginnen wir mit der Groove Sektion und schichten dann alles andere darüber, ein anderes Mal sind die Harmonien zuerst da und wieder andere werden ganz konventionell am Klavier geschrieben. Was uns unheimlich wichtig ist, ist die Atmosphäre des Stücks. Da kann es schon passieren das wir eine Woche oder mehr nur daran arbeiten.

Momentan arbeitet ihr an einem neuen Album "The man who lost his radio on the moon". Wie kommt es zu diesem doch außergewöhnlichen Titel?

Five Arms Red: Das neue Album ist ein Konzeptalbum über das Leben eines Künstlers und seiner Kreativität. Der Titel „ The man who lost his radio on the moon “ ist der letzte Track des Albums und stellt den Endzustand unserer Hauptfigur dar. Der Künstler ist isoliert, deswegen der Mond, hat seine Kreativität verloren, dass Radio, und obwohl dieses noch weiter spielt kann er es im luftleeren Raum nicht mehr hören und somit auch nicht mehr finden.

Die vorab veröffentlichte Single „Melodies“ lässt eine Entwicklung zu melodie-orientierteren, luftigeren Songs vermuten. Trifft das für das gesamte Album zu?

Five Arms Red: Nein, nicht unbedingt. Wir haben auf dem neuen Album unsere musikalische Spannbreite noch erweitert. Es gibt sowohl melodischere, luftigere Songs wie auch abgefahrenere Stücke als auf dem „far“ Album.

Was würdet ihr selbst als absolut typisch für einen „Five Arms Red Song“ bezeichnen?

Five Arms Red: Die kleinen elektronischen Bleeps und Squeaks, die sich durch fast alle unsere Stücke ziehen.

Wie entstehen eigentlich eure, doch oft recht abgefahrenen Sounds?

Five Arms Red: Das können wir vielleicht am Besten anhand eines Beispiels erklären.
Nehmen wir einmal ein Gitarren Riff. Wir nehmen es in den Sampler auf, schneiden es
auseinander, reversen Teile davon und setzten es neu zusammen. Danach überspielen wir es auf eine analoge Bandmaschine wobei die Bandsättigung bis zum Anschlag genutzt wird. Dann ab in den Rechner und mit diversen Effekten versehen. So ungefähr sehen viele unserer Arbeitsschritte aus. Auch die Synthi-Sounds werden großteils selbst programmiert.

Was für Studio-Tools und Instrumente setzt ihr ein?

Five Arms Red: Generell bevorzugen wir analoge Geräte. Bei den Synthies z.B Virus, Roland JX 8P, JD 800, TB 303 usw. Genauso beim Mischpult und den Kompressoren (Höfex, Mind Print). Unsere Vorliebe gilt vor allen Dingen alten Analog Delays, die einfach ein anderes Klangbild produzieren als die aktuellen Plug Ins und Geräte. Aber auch Plug Ins wie z.B. der Absynth und diverse Effekte kommen bei uns zum Einsatz.

Leider hatte ich noch nicht die Gelegenheit euch auf der Bühne zu erleben. Wie kann ich mir eure Live-Konzerte vorstellen?

Five Arms Red:Unsere Band besteht aus Live Schlagzeug, E-Gitarre, Keyboards, Sprechstimme , Gesang und unserem Front Mixer. Dazu kommt eine ausgefeilte Light Show, sowie ein Video Artist, der zu jedem Stück eine eigene Hintergrundprojektion einspielt. Zu sehen auf far-videoart.de.

Ist es eigentlich möglich einen derart vielschichtigen und elektronischen Sound ohne Sequenzer live zu reproduzieren?

Five Arms Red: Nein es ist nicht möglich diesen Sound ohne Sequenzer live zu spielen.

Nun, dann sind wir alle wirklich gespannt auf euer neues Album! Vielen Dank für dieses Gespräch! Und lasst uns wissen, wenn ihr wieder auf der Bühne zu sehen seit!

Five Arms Red - Melodies

Bis es soweit ist mit dem neuen Album von "Five Arms Red", möchten wir allen Leser wärmstens ans Herz legen, einmal in die Vorab-Single-Auskoppelung "Melodies" reinzuhören.

Five Arms Red - far

Und wer dann auf den Geschmack gekommen ist, kann sich bis zur Veröffentlichung des neuen Albums, ja auch noch mit dem letzten Longplayer "far" die Zeit verkürzen. Prädikat: Unbedingt reinhören!

 

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