The Polyphonic Spree - Together we´re heavy
Hallelujah! Im Jahr 2004 erreichte die wundersame Karriere einer der kuriosesten Bands dieser Tage ihren bisherigen Höhepunkt.
Am 11. Dezember traten The Polyphonic Spree beim Konzert für die Friedens-Nobelpreis-Trägerin Wangari Maathai in Oslo auf. 450 Millionen Fernsehzuschauer in 100 Ländern, Tom Cruise moderierte, Stars wie Joss Stone und Diana Krall sangen. Doch um dem Wunsch nach Frieden auf Erden Gehör zu verschaffen, hätte das Nobelpreis-Komitee niemand besseren als The Polyphonic Spree verpflichten können. Verglichen mit der Wucht des 24 Mann starken rocksinfonischen Ensembles aus Dallas klang selbst Heldentenor Andrea Bocelli in Oslo wie ein sanftes Säuseln.
Schuld am Pauken-und-Trompeten-Sound ist die frühkindliche Prägung von Tim DeLaughter. Der Gründer und Sänger von The Polyphonic Spree ist Jahrgang 1966. "Aber seit ich sechs Jahre alt war, versuche ich den das Gefühl einzufangen, dass mir Musik damals gab", sagt der freundlichen Neohippie im quietschbunten Hemd, dessen wuschelige Locken genügen würden, um bei einer Wiederaufnahme des Rockmusicals "Jesus Christ Superstar" die Hauptrolle zu ergattern.
Bis heute brennt Tim DeLaughter für den orchestralen Pop von Formationen wie The Fifth Dimension und Produzenten wie Phil Spector oder Burt Bacharach. DeLaughter will das "sonnige Gefühl" jener Musik zurück, in dem er Rock und sinfonische Elemente verbindet. Eine Aufgabe, die ihm beim Album "Together we´re heavy" fast über den Kopf gewachsen wäre. "Kein Studio war groß genug für die ganze Band. Für manche Stücke haben wir 130 Spuren aufgenommen. Am Ende passte nichts. Es war ein Desaster. Ich hatte einen Nervenzusammenbruch."
Erst Muse-Produzent Rich Costey schaffte es, DeLaughters musikalische Vision wahr werden zu lassen. Jetzt zirpen die Harfen, jubeln die Chöre, schwelgen die Geigen und glänzen die Bläser in schönster Harmonie und bombastischer Wucht. "Together we´re heavy" ist eine Pop gewordene Optimismus-Überdosis, das Licht am Ende des Tunnels einer jeden Winterdepression oder alternativer Soundtrack für die frohe Botschaft dieser Tage. Trotz der leuchtenden Kutten, die die Band trägt und des aufbauenden Gospel-Gefühls der Songs:"Wir sind keine religiöse Band", sagt DeLaughter. "Aber die Musik drückt etwas aus, was alle kennen. Die Suche nach Liebe und dem Sinn des Lebens."
© Peter Disch
