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Soundborne - Hallucinations
Da hat man ein Studio gemietet und der Sänger fällt aus gesundheitlichen Gründen aus. Was macht man in solch einem Fall?

Die Jungs hinter dem Mischpult sind auch schon bezahlt, die ganze Kohle ist so gut wie in den Sand gesetzt, gewissermaßen. Für eine aufstrebende Band ist das fast so etwas wie der Super-Gau. Was bleibt zu tun?
Gut man könnte ein paar Sixpacks organisieren und über die böse Welt im Allgemeinen und die perfide Grausamkeit des Schicksals im Besonderen philosophieren. Oder man macht halt, wie die norwegische Band „Soundborne“ aus der Not eine Tugend und zaubert in der verbliebenen Studiozeit einfach ein Instrumental-Album der Sonderklasse aus dem Ärmel.
Die musikalische Herkunft der Recken ist, wie bei vielen ihrer Landsleute, eindeutig die Landschaft der härteren Gefilde. Nichtsdestotrotz schaut man hier doch erfreulich oft über den Tellerrand und garniert das Werk mit klassischen Elementen, mit einer Prise Folklore, auch ein Hauch Jazz ist erlaubt, dazu jede Menge Melodien, Breaks, Stimmungswechsel und Dynamik. Irgendwo erklingt dann auch einmal ganz kurz eine menschliche Stimme. Ob das Gesang ist wage ich nicht abschließend zu beurteilen, aber glücklicherweise ist dieselbe weit in den Hintergrund gemischt, und kann den ansonsten durchaus vorhandenen Hörgenuss nicht wirklich nachhaltig trüben.
So, was kann man noch über dieses Album sinnvolles auf geduldiges Papier zaubern? Nun, die Jungs von Soundborne haben musikalisch jedenfalls eine ganze Menge auf dem Kasten. Sie bedienen sich stilsicher bei unterschiedlichsten Vorlagen, durchaus auch Klischees, verstehen es aber trotzdem meisterhaft ihr eigenes Ding daraus zu stricken ohne sich in allzu offensichtlichen Zitaten zu verlieren.
Also: Handwerklich klasse gemacht, auch arrangement-technisch gekonnt in Szene gesetzt, der Sound geht auch in Ordnung und einen Sänger vermisst man auch nicht wirklich. Einziger Kritikpunkt aus meiner Sicht, aber das haftet durchaus nicht wenigen Instrumental-Alben der Prog-Rock-Ecke an, und hat dann auch vor Soundborne nicht wirklich halt gemacht: Manches wirkt insgesamt ein wenig steril, zu durchdacht, zu perfekt - zu viel Kopf und zu wenig Bauch. Soundborne könnte sich durchaus hin und wieder auch den Freiraum der ein oder anderen Improvisation gestatten. Dann kommen erfahrungsgemäß bei Musikern dieses Kalibers auch die wirklich magischen Momente in die Musik – und genau die fehlen dem Album ein klein wenig.

Fazit: Für den Bereich instrumentaler Rockmusik mit Sicherheit eine gekonnte Bereicherung. Liebhaber dieses Genres können sich die Scheibe auf jeden Fall gönnen. Alle anderen dürfen durchaus auch mal ein Ohr riskieren!
©Earth Ling April 2008

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