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Anthony Green - Avalon

Anthony Green war bislang vor allem als Frontmann der Progressive-Punk-Band Circa Survive bekannt. Am 24. Oktober bringt der Musiker sein erstes Solo-Album auf den Markt. Eingespielt hat er es weitgehend im Alleingang und mit Unterstützung einer befreundeten Band namens "Good Old War".

Auf die Frage warum überhaupt ein Solo-Album antwortet der 26-jährige Musiker: „Ich schrieb vor ein paar Jahren einige Songs, deren Grundideen ich der Band gegenüber nicht artikulieren konnte“. Ich kenne nicht viele Akkorde, und ich kenne mich überhaupt nicht mit Skalen aus; ich weiß nicht, wie ich mit jemandem über Rhythmen sprechen soll. Also konnte ich der Band einfach nicht erklären, wie bestimmte Songs klingen sollten, ohne in idiotischen Singsang zu verfallen, aus dem sich keiner außer mir einen Reim machen konnte.“

Acht Tage zog sich Anthony Green schließlich mit seinen Freunden von der Band "Good Old War" in ein Haus zurück, das sich in dem verschlafenen Stranddorf mit dem schönen Namen Avalon befindet. In dieser doch recht kurzen Zeit hat Anthony Green ein überraschend vielfältiges und melodisches Pop-Album aufgenommen. Green: „Wir hatten nur wenig Studiozeit, und das schlägt sich natürlich auf die Arbeitsweise nieder. Für die Aufnahmen gab es nur drei Tage, und da muss man alles genau vorbereiten. Aber ich wollte dieses Album schon seit zwei Jahren endlich aufnehmen, und jetzt war der perfekte Zeitpunkt dafür.“ Green weiter: „Manche der Songs sind ganz neu, aber die meisten sind eigentlich schon ziemlich alt. „Den Text zu Dear Child (I’ve Been Dying To Reach You) schrieb ich schon vor vier oder fünf Jahren, und die Musik ist sogar noch älter.“

Nun, da manchmal weniger bekanntlich auch mehr ist, hat das dem vorliegenden Album durchaus gut getan. Auch wenn das was Anthony Green auf "Avalon" zum Besten gibt nicht gerade neu und riochtungsweisend innovativ ist, so hat die Scheibe doch Format und einige interessante Überraschungen. Sie ist auch weit genug vom aktuellen Mainstream-Pop entfernt und entfaltet eine Aura von Credibility, die nur dann entstehen kann, wenn ein Künstler sich ganz und gar in seine Kunst gibt, mit Herz und Seele und ungebremster Leidenschaft. In den drei Tagen, die der Musiker im Studio für die Aufnahmen zur Verfügung hatte, sind immerhin 20 Songs entstanden, die ihren wohlverdienten Platz auf dem Album gefunden haben. Ein Album, das nebenbei bemerkt, weder Längen noch Gähn-Nummern aufzuweisen hat.

Anthony Green: „Ich bin eigentlich immer beschäftigt, ich werde mein ganzes Leben lang aktiv sein, so mag ich das. Ich mochte harte Arbeit nie – bis ich etwas fand, bei dem ich mich nicht wie ein völlig Fremder fühlte, wenn ich es tat. Ich glaube ich gehöre in die Welt von Musik und Kunst, und es macht mir überhaupt nichts aus, meine gesamte Zeit damit zu verbringen. Ich genieße es sogar.“

Fazit: "Avalon" ist nicht unbedingt ein großes Albun, aber es ist ein äußerst sympathisches Stück Musik, irgendwo zwischen den psychodelisch angehauchten Folk-Rock-Songs der Sechziger und frühen Siebziger, sowie einer homöopathischen Prise "The Cure". Es hat einige Ecken und Kanten, was aber durch den ursprünglichen Charme und der hör- und fühlbaren Schaffensfreude des Sängers mehr als wett gemacht wird.



Earth Ling (Oktober 2008)

Anspieltipps: Dear Child, Drug Dealer

 



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