Anouk - Who´s your momma
Musikalisch ist Anouk innerhalb ihres Genres schon immer eigene Wege gegangen ...
Zur Erinnerung: Anouk brachte sich 1997 erstmals mit "Nobody´s wife" und ihrem Album "Together Alone" einem breiteren Publikum zu Gehör. Weitere Höhepunkte der stimmgewaltigen Sängerin waren das 1999 erschienene Album "Urban Solitude", sowie das Hammer-Werk "Gratuated Fool".
Musikalisch ist Anouk innerhalb ihres Genres schon immer eigene Wege gegangen, hat heftige Gitarrenriffs und deutliche Texte mit klassischen Instrumenten kombiniert, oder auch eher brachiale Szenerien mit filigranen Arrangements abgewechselt. Dabei hat sie es immer geschickt vermieden sich in undefinierter Stilvielfalt zu verlieren. Es war immer klar, selbst bei der schönsten Ballade: Das ist Anouk! Hier wird auf ganz eigene Art Rockmusik gemacht!
Leider hatte die Künstlerin es bisher, trotz wirklich großartiger Alben und Platinauszeichnungen in ihrem Heimatland, nicht geschafft über die Grenzen der Niederrlande hinaus wirklich erfolgreich auf sich aufmerksam zu machen. Wohl mit aus diesem Grund hat Anouk ihr neues Album in Los Angeles aufgenommen. Kein geringerer als Glenn Ballard, der auch schon mit Alanis Morissette und Annie Lennox im Studio war, hat die CD produziert. Am 29. Februar 2008 hat Anouk ihr neues Album "Who’s Your Momma" veröffentlicht.
Die Frage darf nun gestellt werden, ob Anouk mit der Wahl der Produktionsstätte einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht hat, ob Los Angeles und der richtige Produzent alleine reichen, die Aufmerksamkeit der Welt auf ein neues Album zu richten. Und entscheidender noch: Bringt das die Künstlerin musikalisch einen entscheidenden Schritt nach vorne?
Nun, der Opener "If I go" legt zumindest schon einmal gut los und lässt auf eine Scheibe hoffen, die da anknüpft, wo meines Erachtens die wahren Stärkern der Künstlerin liegen und die auf "Graduated Fool" einst den leider bisher krönenden Abschluss fand. Die folgenden Songs "Might as well" und "Make it rain" erreichen, obwohl gut gemacht, die selbsterstellte Messlatte dann leider schon nicht mehr ganz.
Das nachfolgende "Modern World" ist ein interessanter und gekonnt produzierter Song mit engagierten und durchaus treffenden Lyrics. Mit "I don´t wanna hurt" und etwas später mit "The Difference" folgen kurz hintereinander zwei schöne Anouk-typische Balladen. Track Nr 6 "Good God" dagegen ist dann definitiv ein Fehlgriff, ebenso "Whatever you say". Solche Musik machen andere einfach besser.
Zwar gibt es immer wieder Momente in denen auf "Who´s your momma" die Genialität, Vitalität und emotionale Tiefe früherer Alben aufblitzt, leider bleiben diese Funken aber zu oft im Ansatz stecken. Überhaupt fehlen dem ganzen Album deutlich die wirklich herausragenden Songs und die kompakte Individualität früherer Werke. Für Fans durchaus ein erwägenswerter Kauf. Alle anderen sollten vielleicht lieber erst einmal in "Gratuated Fool" oder "Urban Solitude" reinhören.
©Earth Ling 05/2007
Fazit:
Zu viel Hit-Attitude und leider etwas zu wenig Anouk!
Anspieltipps:
"If I go", "Modern World", "I don´t wanna hurt", "Daze"