Anne Gabriel - Nur fliegen ist schöner
Ich bin etwas ratlos nach dem ersten Durchhören. Was ist das jetzt eigentlich für eine Platte? Schlager? Nein nicht wirklich! Pop? Schon eher, aber ein wenig farblos. Rock? Nein, dafür ist das einfach zu brav und glatt produziert.
Es scheint als hätte sich der Produzent, und mit ihm die Künstlerin, zielgerichtet zwischen alle Stühle gesetzt. Ein wenig Rockmusik, ein wenig achtziger Pop, die Melodien hart an der Grenze zum Schlager und dazu dann noch Elemente aus der "Neuen Deutschen Welle". Diese ist allerdings inzwischen schon lange nicht mehr neu, sondern nahezu dreißig Jahre alt und gerät hier höchstens noch zu einem leichten Plätschern.
Dabei hat die Künstlerin sich wirklich reingehängt in ihr erstes Album. Nachdem sie mit den ursprünglichen Aufnahmen nicht zufrieden war, hat sie das Werk mit einem neuen Produzenten praktisch komplett ein zweites Mal eingespielt. Und das alles, obwohl ihr schon in der ersten Version des Albums von der Fachzeitung "Musikwoche" eine erfrischende Andersartigkeit bescheinigt wurde. Sicher, das ist dann wohl Geschmacksache und über Geschmack lässt sich nun mal vortrefflich streiten. Diese Platte ist schon anders, allerdings ohne dabei wirklich eigenständig zu sein.
Trotzdem, es gibt ein paar berührende Momente. Nämlich immer dann, wenn die Sängerin aus dem unpassenden Korsett biederer Pop-Rock-Attitude ausbricht und Songs im fast schon klassischen Liedermacher-Kontext interpretiert. Diese sanfter instrumentierten Songs liegen ihr deutlich besser, als der doch eher beliebige Allerweltspop, der auf dieser CD leider absolut dominant ist.
Vielleicht sollte es Anne Gabriel ja noch einmal mit einem dritten Produzenten probieren. Vorzugsweise mit jemandem der Erfahrung mit Künstlern im Stil beispielsweise eines Klaus Hoffmann hat, und dann hoffentlich die durchaus vorhandenen Qualitäten der Künstlerin in den richtigen Kontext zu setzen weiß.
Earth Ling (Mai,2008)
Anspieltipps: Mit offenen Augen, Die Chance