Calexico

Mit ihrer Mischung aus mexikanischer Mariachi-Musik, Western-Soundtrack, Country und Folkrock hat die US-Band Calexico in Europa viele Fans gewonnen. Ein Gespräch mit Sänger Joey Burns über Festivals, Hollywood-Erfahrungen, Muhammad Ali und Werbespots.

Sommerzeit – Calexico-Zeit. Es hat schon Tradition, dass die Band in der warmen Jahreszeit am Festivalzirkus teilnimmt.
Joey Burns: Wir genießen es immer, in Europa zu sein. Im Herbst durch den Schwarzwald zu fahren und zuzuschauen, wie sich das Laub färbt ist für Amerikaner genau so beeindruckend wie der Sommer, wenn die Europäer im Park liegen und sich sonnen. Das Lebensgefühl ist ganz anders an als bei uns in Amerika.

Sind die Festivals auch eine gute Ausrede, um der Wüstenhitze Ihres Heimatortes Tucson in Arizona zu entfliehen?
Burns: Na, in Italien oder Spanien ist es manchmal so heiß wie zu Hause. Aber mancher würde vor dem Sommer in Arizona gerne für ein paar Wochen hinter sich lassen, so wie wir es können. Andererseits ist das Leben in Tucson im Sommer sehr entspannt. Man macht nur, was geht und lässt sich einfach treiben.


Ihre 2003 erschienene Platte „Feast of Wire“ war europaweit erfolgreich und kommerziell der Durchbruch für Calexico. Fühlen Sie seither mehr Druck?
Burns: Viele Leute mögen Feast of Wire“, obwohl das eine Platte mit unterschiedlichsten musikalischen Einflüssen ist. Das gibt mir die Zuversicht, weiter zu experimentieren, meinen Eingebungen zu folgen und mir nicht so viel Gedanken zu machen, was andere darüber denken könnten. Wir konzentrieren uns auf das, was sich für die Band gut anfühlt und anhört.

Schlagzeuger John Convertino und Sie verfolgen neben Calexico immer auch eine ganze Menge anderer Projekte. So steuerten sie einen Song zu Nancy Sinatras Comeback-Album bei. Wie kam es dazu?
Burns: Eines Tages komme ich nach Hause – und Nancy Sinatra ist auf meinem Anrufbeantworter. Ich konnte es nicht glauben! Ich dachte, jemand spielt mir einen Streich. Wir haben den Song in New York aufgenommen. Ich habe ihn dort geschrieben, am Abend des 4. Juli, unserem Unabhängigkeitstag. Dabei ging mir alles mögliche durch den Kopf: die Erinnerungen an ihren Vater Frank Sinatra, die ganze Situation – ich in New York, um zu komponieren. Das war etwas ganz Besonderes. Schließlich ist New York das kulturelle Zentrum der USA.

In Michael Manns Thriller “Collateral” mit Tom Cruise und Jamie Foxx sieht man Calexico in einer Szene den Song „Guero Canelo“ spielen. Wie war’s in Hollywood?
Burns: Zum Glück wurde in Los Angeles vor Ort gedreht und nicht in einer Kulisse im Studio. Das wäre bestimmt ganz schön einschüchternd gewesen. Trotzdem war es viel Arbeit. Wir mussten das Stück wieder und wieder spielen – ein echter Geduldstest.

Wie kam ein Sportartikelhersteller wie Adidas auf die Idee, ihr Stück “Pepita” in einem Werbespot mit Muhammad Ali zu verwenden?
Burns: Das war eine knifflige Sache. Als die Anfrage kam, wussten wir nicht wirklich  darüber Bescheid, dass viele Sportartikel in Billiglohnländern produziert werden. Da wir bei keiner großen Plattenfirma unter Vertrag stehen, bekommen wir keine nennenswerten Vorschüsse für unsere Alben. Als unabhängige amerikanische Band muss man daher nach Wegen suchen, um durchzukommen. Auf der anderen Seite habe ich natürlich Prinzipien. Am Ende gab den Ausschlag, dass durch den Spot eine Verbindung zwischen unserer Musik und Ali entsteht. Er bedeutet mir sehr viel, weil er seinen eigenen Kopf hat und dem System die Stirn bot. Also dachte ich: Wenn Ali was damit zu tun hat, transportiert der Spot bis zu einem gewissen Punkt auch eine gute Botschaft.

© Peter Disch