A-ha im Interview!

Jahrzehnte nach seinem ersten und ewigen Hit „Take on me“ gehört das norwegische Trio A-ha immer noch zu den kommerziell erfolgreichsten Bands des Pop.
Ein Gespräch mit den A-ha-Mitgliedern Magne Furuholmen und Paul Waaktaar über Videos, Komplimente und Menschenmengen.
alle Photos: Stian Andersen
Das Video eurer Single „Celice“ entstand in einem Berliner Bordell. Wir waren die Aufnahmen an solchem Ort?
Magne Furuholmen: Es war das erste Mal, dass ich in ein Hurenhaus gegangen bin, um morgens um sechs zu frühstücken. Das Besondere an dem Video ist, dass es zum Teil mit einer Wärmebildkamera gefilmt wurde. Dadurch hat das Video etwas von einer Fabel.
Worum geht es in dem Video?
Furuholmen: Es handelt von den dunklen Seiten der Liebe, dass wir an Beziehungen festhalten, obwohl sie schlecht für uns sind. Das ist Leidenschaft ohne Liebe, die Unschuld verloren, Einsamkeit gefunden – eine ziemlich hoffnungslose Situation. Unser Regisseur Jörn Heitmann schlug vor, dass wir die Liebesszenen mit echten Pornoakteure drehen. Er wollte einfach Darsteller haben, für die mechanischer Sex ohne Zärtlichkeit keine große Sache ist.
Wegen dieser Szenen gab es einigen Wirbel.
Furuholmen: Ich finde es skandalöser, wenn Sex ohne tiefere Bedeutung in Musikvideos auftaucht, nur um der Optik willen – so wie beim HipHop.
Früher hattet ihr mit dem Image der Teenie-Band zu kämpfen. Heute loben euch erfolgreiche Kollegen wie Chris Martin von Coldplay.
Waaktaar: Es ist sehr wichtig für uns, dass solche Leute, die wie Chris Martin mit unserer Musik aufwuchsen, sagen, dass sie ihnen gefällt. So werden wir von einem ganz anderen Publikum wahrgenommen. Erst recht, wenn das Lob von jemand wie Ian Brown kommt, dem früheren Sänger der Stone Roses, von dem man das nun wirklich nicht erwarten würde.
Kürzlich habt ihr sogar mit der Woodstock-Legende Graham Nash zusammen gearbeitet.
Waaktaar: Das war verrückt. Ich las eine Menge Bücher über amerikanischen Folk, über Woody Guthrie, die Carter Family, dann weiter zu Crosby, Stills, Nash & Young. Davon beeinflusst schrieb ich den Song „Over the Treetops“. Als wir ihn in Oslo aufnahmen, war Nash gerade in der Stadt. Unser Sänger Morten Harket fragte ihn – und da war Graham Nash und sang bei einem Lied mit, das von seiner Musik inspiriert wurde.
A-ha ist in vielen Ländern erfolgreich. Nur in den USA läuft nicht viel. Woran liegt das?
Waaktaar: Das hat mit unserem früheren Manager zu tun. Er hatte Angst ausgebootet zu werden. Jedes Mal wenn wir in den USA auftraten, tauchten diese Mafiatypen auf und boten ihre Hilfe an. Er sagte auch immer, wir müssten uns entscheiden. Entweder eine Karriere in Europa oder in Amerika. Das hatte damit zu tun, dass gleich unsere erste Single ein Nummer-eins-Hit war. Danach durften wir keine normale Band sein, die wächst und voran kommt. Alles oder nichts. Das war die Losung. Also hatten wir in den USA am Ende gar nichts.
Das Internet-Lexikon “Wikipedia” beschreibt den typischen A-ha-Fan folgendermaßen: 27, weiblich, Single. Korrekt?
Waaktaar: Das kommt aufs Land an. In Norwegen spielen wir für vier Generationen. Als wir kürzlich in New York auftraten, kamen Gothic Rocker mit schwarzen Fingernägeln. Vor dem Konzert spazierten wir über den Times Square. Dort trafen wir eine peruanische Panflötencombo. Die fragten wir, ob wir zusammen einen Song spielen könnten. Also gaben wir „Take on me“ mit Panflöten. Hinterher kam ein 16-jähriger Teenager auf mich zu, deutete auf die CDs der Peruaner und fragte: „Auf welcher ist der Song drauf, den ihr gerade gespielt habt?“ Ich weiß wirklich nicht, wo wir heute stehen.
In Oslo habt ihr im Sommer 2005 vor 120.000 Zuhörern gespielt. Was für ein Gefühl war das?
Furuholmen: Hinterher erzählte mir Norwegens Kultusminister, es sei das größte Treffen von Norwegern gewesen, das es jemals gegeben habe. Das war ganz schön erschreckend. Was hat das zu bedeuten? Es war doch nur ein Konzert. Es gibt wichtigere Anlässe, um so viele Menschen zusammen zu bringen.
© Peter Disch
Alle Photos: Stian Andersen
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